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fact x Jahrestagung 2025

fact x hhu - Jahrestagung 2025 und 6. Düsseldorfer Schmalenbach-Lecture

Unter dem Motto „Gekommen, um zu bleiben: Wie GenAI die Unternehmenswelt herausfordert“ fand am 21. Mai 2025 die Jahrestagung von fact × hhu in Kooperation mit der 6. Düsseldorfer Schmalenbach-Lecture an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf statt. Die interdisziplinäre Tagung bot Studierenden, Forschenden und Unternehmensvertreter:innen eine Plattform, um die tiefgreifenden Veränderungen zu diskutieren, die Generative Künstliche Intelligenz (GenAI) für Wirtschaft, Arbeit und Ausbildung mit sich bringt.

Vor dem Start der Jahrestagung wurde den Studierenden ein Vormittagsprogramm bestehend aus einem Workshop und dem fact x marketplace angeboten.


Workshop für Studierende
Prompt Engineering
Clever fragen für bessere Antworten

Der Tag begann mit einem interaktiven Workshop von Philipp Wendland (Deloitte AI Institut), der eindrucksvoll vermittelte, wie gutes Prompt Engineering die Qualität von KI-Antworten maßgeblich beeinflusst. Teilnehmende erlernten zentrale Techniken wie Few-Shot Prompting, Chain-of-Thought, sowie die Verwendung von Systemprompts.

Neben methodischem Know-how wurde auch reflektiert: „LLMs sind 90 % korrekt – und 100 % überzeugt“, so Wendland. Die Verantwortung für Ergebnisse bleibe beim Menschen. Die Teilnehmer:innen konnten eigene Prompts an einem Fallbeispiel zur Szenarioanalyse erproben. Auch Fragen der Fehlerbehandlung, Sprachwahl (Deutsch vs. Englisch), der Einsatz eigener GPTs und Open-Source-Bibliotheken wurden thematisiert.

LLMs sind 90 % korrekt – und 100 % überzeugt

fact × marketplace
Karriere-Event für unsere Studierenden

Vielen Dank an BDO, Deloitte, ETL, EY, Gradify, Grant Thornton, PwC und Rödl & Partner, die das Rahmenprogramm für unsere Studierenden mit kurzen Inputs zu Sustainability, Digitalisierung, Tax, Start-ups und Strategieberatung sowie zahlreichen Möglichkeiten für Networking gestaltet haben. Im direkten Gespräch mit Vertreter:innen der Praxis konnten sich die Studierenden über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten informieren.


Jahrestagung fact x hhu & 6. Düsseldorfer Schmalenbach-Lecture

Vorwort und Vorstellung des Studienprofils
fact-Studienprofil: Flexibel, fundiert, zukunftsorientiert

Der zweite Teil der Tagung wurde durch Herrn Prof. Dr. Stefan Süß (Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, HHU) eingeleitet und das Profil des Düsseldorfer fact-Studiengangs durch Frau Prof. Dr. Janine Maniora (Lehrstuhl Financial Accounting, HHU) vorgestellt. Der Schwerpunkt zeichnet sich durch eine freie Wahl der Vertiefungsrichtung, ein breit gefächertes Modulangebot sowie durch das fact x Zertifikat aus, das gezielt Wissen in Finance, Accounting, Controlling und Tax dokumentiert. Studierende können so individuelle Kompetenzprofile entwickeln – eine optimale Grundlage für den Berufseinstieg in einem dynamischen Umfeld.

Keynote: Künstlicher Fluch oder intelligenter Segen?

Im Rahmen der 6. Düsseldorfer Schmalenbach-Lecture richtete Dr. Sarah J. Becker (Partnerin bei Deloitte, Universität Witten/Herdecke) den Blick auf die gesellschaftlichen und ethischen Herausforderungen im Umgang mit Generativer KI. Unter dem Titel „KI-Transformation 2.0“ warb sie für einen bewussten und reflektierten Umgang mit neuen Technologien und behandelte insbesondere drei zentrale Themen: die Renaissance der digitalen Ethik, den konstruktiven Umgang mit schnelllebigen Datenzyklen, sowie die Frage nach der Praxisrelevanz von KI-Anwendungen.

Besonders eindrücklich war ihre Differenzierung zwischen „AI for good“ – dem gezielten Einsatz von KI zur Erzielung eines positiven Impacts – und „AI for not bad“, einem risikobasierten Ansatz, der potenzielle Schäden frühzeitig adressiert. Dabei wurde auch das Plenum aktiv: In der anschließenden Diskussion wurden konkrete ethische Bedenken wie Urheberrechtsverletzungen, algorithmische Verzerrungen (Biases), Überwachungstendenzen und Arbeitsplatzunsicherheit benannt. Diese Rückmeldungen unterstrichen, dass die Herausforderungen rund um den KI-Einsatz nicht nur abstrakter Natur sind, sondern reale Relevanz für Unternehmen, Politik und Gesellschaft besitzen.

Umso alarmierender ist es, dass bislang lediglich ein Fünftel der Unternehmen über ein operationalisiertes ethisches Framework verfügt. Diese Lücke zeigt die Dringlichkeit einer strategisch verankerten und strukturell verankerten AI Governance, die nicht nur Compliance sichert, sondern auch Vertrauen schafft.

Forschungseinblick: GenAI als digitaler Sparringspartner

Wie ein solcher bewusster Umgang mit KI in der Praxis aussehen kann, zeigte im Anschluss Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger (Lehrstuhl Controlling & Accounting, HHU) in ihrem Beitrag zur Rolle von GenAI in der Wissensarbeit. Aufbauend auf aktuellen Forschungsergebnissen erläuterte sie, wie Generative KI als digitaler Sparringspartner fungieren kann – insbesondere für weniger erfahrene Nutzer:innen. GenAI unterstützt dabei nicht nur bei der Informationsverarbeitung, sondern fördert auch strukturiertes Denken. Zugleich verwies Prof. Dr. Weißenberger auf technologische Herausforderungen, etwa den hohen Energieverbrauch von KI-Anwendungen und die Notwendigkeit von Green Coding-Ansätzen. Bemerkenswert: Die Angst vor KI fällt laut Befragungen in der Praxis deutlich geringer aus als erwartet.

Podiumsdiskussion: Lessons Learned für die Arbeitswelt von morgen

Die theoretischen und praktischen Perspektiven der Vorträge mündeten in einer Podiumsdiskussion, moderiert von Prof. Dr. Janine Maniora (HHU). Gemeinsam diskutierten Prof. Dr. Rüdiger Loitz (Partner, PwC), Dr. Sarah J. Becker und Prof. Dr. Barbara E. Weißenberger zentrale Herausforderungen und „Lessons Learned“ im Spannungsfeld zwischen technologischem Fortschritt und organisationalem Wandel. Neben den Diskussionspartnern hat auch das Publikum die Chance genutzt sich in die Diskussion einzubringen.

Die Diskussion zeigte deutlich, dass der erfolgreiche Einsatz von GenAI in Unternehmen eine hohe digitale Reife der Prozesse voraussetzt – AI Readiness beginnt mit der konsequenten Digitalisierung. Besonders in der Nachhaltigkeitsberichterstattung eröffnet der Einsatz von KI neue Validierungs- und Analysemöglichkeiten und gewinnt dort zunehmend an Bedeutung. Dabei verändert sich die Rolle des Menschen: Anstelle operativer Routinetätigkeiten tritt verstärkt eine kritisch-reflektierende Kontrollfunktion, die KI-Ergebnisse bewerten und verantwortungsvoll einordnen muss.

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch die Ausbildung eine neue Bedeutung. Sie sollte sich stärker auf kritisches Denken, prozessuales Verständnis und technologische Urteilskraft konzentrieren, anstatt rein auf Fachwissen. Gleichzeitig kann Regulierung, wenn sie strategisch und praxisnah gestaltet ist, als enablen­der Faktor wirken – indem sie für Klarheit sorgt, Handlungsspielräume schafft und Unsicherheiten verringert. Gerade in noch wenig regulierten Feldern kann ein experimentelles Vorgehen unter „Sandbox“-Bedingungen helfen, neue Standards zu testen und weiterzuentwickeln.

Jedoch überfordern die schnellen Entwicklungszyklen moderner KI-Modelle häufig bestehende Schulungsformate. Es braucht neue, anpassungsfähige Lernangebote, um Schritt halten zu können. Besonders deutlich wird der Wandel in Branchen wie Audit und Consulting, die auf Wissensarbeit beruhen und durch KI tiefgreifend disruptiert werden. Klassische Ausbildungsprinzipien wie das „über die Schulter schauen“ stoßen hier an ihre Grenzen, wenn Modelle selbstständig handeln.

Schließlich wurde auch ein ambivalenter Effekt diskutiert: Zwar steigert KI messbar die Effizienz, doch führt dies oft gleichzeitig zu steigenden Ansprüchen an Output und Qualität – ein sogenannter Rebound-Effekt, der den tatsächlichen Produktivitätsgewinn relativieren kann.

Get-together
Zurück aus der digitalen Welt

Zum Abschluss haben wir uns gefreut, unsere Jahrestagung gemeinsam in lockerer Atmosphäre bei Fingerfood und Getränken im Foyer des oeconomicum ausklingen zu lassen. Ein herzlicher Dank gilt allen Speakern und Gästen sowie unseren Unterstützern!

Wir danken unseren Praxispartnern in der Lehre